Durchschnittlicher Gasverbrauch: Wìe hoch ist der Gasverbrauch eines Einfamilienhauses?

Wird für ein Einfamilienhaus ein durchschnittlicher Gasverbrauch angegeben, so bietet sich damit die Möglichkeit, die ungefähren Kosten aufzurechnen. Abhängig ist der Wert allerdings von verschiedenen Faktoren.

Durchschnittlicher Gasverbrauch: Wert nach der Wohnfläche berechnen

Die Wohnfläche ist ein entscheidender Faktor, wenn ein durchschnittlicher Verbrauch errechnet werden soll. Dies erscheint logisch, schließlich muss eine größere Fläche beheizt werden, wenn die Wohnfläche eines Gebäudes steigt. Außerdem spielt natürlich eine Rolle, wie viele Personen in dem betreffenden Haushalt leben.

Eine Person, die allein lebt, bewohnt meist kein großes Haus und wenn, werden nicht alle Räume gleichermaßen beheizt. Bewohnt allerdings eine Familie mit drei Kindern ein Haus und hat jedes der Kinder ein eigenes Zimmer, so werden zumindest diese Räume, dazu das Schlaf- und Wohnzimmer, die Küche und das oder die Badezimmer beheizt.

Wird ein durchschnittlicher Gasverbrauch allerdings nur aufgrund der in der Wohnung lebenden Personen bzw. deren Anzahl angegeben, so ergibt das einen sehr ungenauen Wert. Als Faustformel wird angenommen, dass ein durchschnittlicher Gasverbrauch pro Jahr für eine Person zwischen 2500 und 5000 Kilowattstunden liegt. Die Schätzung geht immer davon aus, dass sich die Wohnfläche vergrößert, je mehr Personen in dem Haushalt leben.

Allerdings ist dies schon allein aufgrund der Tatsache recht ungenau, dass sich diese Personen einige Räume teilen. So müssen Wohnzimmer, Bad und Küche eines Hauses unabhängig von der Personenzahl im Haushalt beheizt werden. Hier gilt einzig die zu erreichende Raumtemperatur in Verbindung mit der Wohnfläche als relevant.

Durchschnittlicher Gasverbrauch:

  • Zwei-Personen-Haushalt: 5.000 bis 10.000 Kilowattstunden
  • Drei-Personen-Haushalt: 7.500 bis 15.000 Kilowattstunden
  • Vier-Personen-Haushalt: 10.000 bis 20.000 Kilowattstunden
  • Einfamilienhaus: 23.000 Kilowattstunden

Interessant ist eine Betrachtung der Baujahre. Vergleicht man ein Einfamilienhaus mit Baujahr 1976 und einer Fläche von 160 m² mit einem gleich großen Haus aus dem Jahr 2006, so ergibt sich eine Halbierung des Gasverbrauchs. Der Durchschnitt für das erstgenannte Gebäude liegt bei 32.000 Kilowattstunden, der für die zweite Wohnung nur bei 16.000 Kilowattstunden. Ähnliches gilt für ein Reihenhaus und für Mietwohnungen, in allen Fällen hat ein durchschnittlicher Gasverbrauch von Häusern, die vor 1977 errichtet wurden und solchen, deren Fertigstellung erst nach 2002 lag, halbiert.

Ein Grund dafür ist die deutlich bessere Dämmung, die die Heizung viel effektiver werden lässt und für einen geringen Wärmeschwund nach außen sorgt. Ein anderer Grund liegt in einer modernen Gastherme, die heute sogar mit der Brennwerttechnik arbeitet und so einen Wirkungsgrad von über 100 Prozent erreichen kann.

Wird für ein Einfamilienhaus ein durchschnittlicher Gasverbrauch angegeben, so bietet sich damit die Möglichkeit, die ungefähren Kosten aufzurechnen

Wird für ein Einfamilienhaus ein durchschnittlicher Gasverbrauch angegeben, so bietet sich damit die Möglichkeit, die ungefähren Kosten aufzurechnen.(#01)

Durchschnittlicher Gasverbrauch: Eigenen Durchschnitt ausrechnen

Soll ein durchschnittlicher Gasverbrauch ausgerechnet werden, so braucht es die Verbrauchswerte von einem Jahr. Dies schließt saisonale Schwankungen mit ein, denn logischerweise wird im Sommer deutlich weniger Gas verbraucht als im Winter. Diese Schwankungen werden auf der Gasrechnung aber nicht ersichtlich, daher braucht es keine monatliche Aufstellung, sondern einen Durchschnitt vom gesamten Heizjahr.

Wichtig ist, dass dabei die Werte von einem ganzen Jahr genutzt werden, was auch gilt, wenn der Durchschnitt für zwei oder vier Jahre errechnet werden soll.

Keine monatsweise Anrechnung! Die Berechnung selbst ist ganz einfach: Es wird einfach der Gasverbrauch, der auf der letzten Gasrechnung vom Gasanbieter für das vorliegende Jahr angegeben ist, durch die Anzahl der Monate (12, 24, 48 etc.) geteilt. Als Ergebnis erscheint ein durchschnittlicher Wert, der für den Hausbewohner selbst interessant ist. Soll der Energieverbrauch für einen Energiepass errechnet werden, ist jedoch die Datenbasis von drei Jahren nötig.

Bei der Berechnung des Verbrauchs kommt es auf die gegebenen Werte und Einheiten an. Ein durchschnittlicher Gasverbrauch ist in Kilowattstunden angegeben, dies ergibt den sogenannten Energiegehalt. Ist jedoch ein durchschnittlicher Gasverbrauch in Kubikmeter angegeben, bezieht sich das auf das Gasvolumen. Um nun einen Vergleich der Gasanbieter vornehmen zu können, ist die Umrechnung in die gleiche Einheit wichtig und es müssen gegebenenfalls Kilowattstunden in Kubikmeter umgewandelt werden oder umgekehrt.

Sofern die Zusatzzahl bekannt ist, wird diese mit dem Brennwert multipliziert sowie mit den angegebenen Kubikmetern. Heraus kommen Kilowattstunden. Als Schätzung ist es auch möglich, die Kubikmeter mal 10 zu rechnen. Es ergibt sich wieder Kilowattstundenzahl. Umgekehrt können Kilowattstunden durch den Brennwert geteilt werden, das Ergebnis wird noch einmal durch die Zusatzzahl geteilt. Das Ergebnis sind die gesuchten Kubikmeter.

Passivhäuser fallen aus den Schätzwerten heraus, bei ihnen verhält sich der Gasverbrauch ganz anders.

Passivhäuser fallen aus den Schätzwerten heraus, bei ihnen verhält sich der Gasverbrauch ganz anders.(#02)

Durchschnittlicher Gasverbrauch im Passivhaus

Passivhäuser fallen aus den Schätzwerten heraus, bei ihnen verhält sich der Gasverbrauch ganz anders. Als Faustregel gilt hier, dass der Verbrauch immer unter den Werten der Einfamilienhäuser liegt. Ein Passivhaus mit einer Wohnfläche von 120 m² braucht im Jahr nur ca. 1800 Kilowattstunden, bei einer Fläche von 160 m²sind es hingegen rund 2.400 Kilowattstunden.

Die Gasheizung läuft hier im wahrsten Sinne des Wortes auf Sparflamme, denn im Passivhaus werden Sonneneinstrahlung und Abwärme genutzt. Insgesamt ergibt sich daraus ein sehr niedriger Gasverbrauch, der sich positiv auf der Gasrechnung zeigt.

Dämmungen können auch nachträglich von außen oder von innen angebracht werden, selbst die Dämmung innerhalb der Außenwände durch das Einblasen von Dämmmaterial ist inzwischen möglich.

Dämmungen können auch nachträglich von außen oder von innen angebracht werden, selbst die Dämmung innerhalb der Außenwände durch das Einblasen von Dämmmaterial ist inzwischen möglich.(#03)

Durchschnittlicher Gasverbrauch: Dadurch wird er beeinflusst

Es gibt verschiedene Einflussfaktoren für den Gasverbrauch, wobei einige beeinflussbar sind und andere hingenommen werden müssen. Eine alte Gastherme kann ausgetauscht werden und sorgt für einen niedrigeren Verbrauch, die Fläche des Hauses kann natürlich kaum beeinflusst werden.

Die folgenden Faktoren spielen beim Verbrauch der Gasheizung eine Rolle:

  • Fläche
    Dieser Faktor wird als schwer wiegendster Punkt eingestuft, denn natürlich ist der Verbrauch im Mehrfamilienhaus deutlich höher als in der Wohnung, die nur von einem Studenten bewohnt wird.
  • Dämmung
    Auch die Dämmung spielt eine enorme Rolle für den Verbrauch. Meist ist eine Heizung in einem alten Haus ohnehin schon weniger effizient, dazu kommt, dass sehr viel Wärme über nicht ausreichend gedämmte Wände nach außen dringt. Hier kann nachgebessert werden, was nicht gleich den Austausch der Heizung bedeutet. Dämmungen können auch nachträglich von außen oder von innen angebracht werden, selbst die Dämmung innerhalb der Außenwände durch das Einblasen von Dämmmaterial ist inzwischen möglich. Interessant sind die zugehörigen Werte:Die Differenzen betragen zwischen 30 und 50 Prozent beim Verbrauch je nach Alter des Hauses und Zustand der Dämmung. Die Mehrausgaben, die für die nachträgliche Dämmung eines älteren Gebäudes anfallen können, sollten daher in Relation zum erwarteten Nutzen der Kostenersparnis durch einen geringeren Verbrauch gestellt werden. In der Regel rechnet sich ein solcher Umbau bzw. eine derartige Modernisierung bereits nach wenigen Jahren. Wichtig ist aber auch, nicht nur die Dämmung der Außenhülle in Betracht zu ziehen, sondern auch auf den Wärmeverlust durch Fenster und Türen zu achten sowie das Dach einer genauen Inspektion in Bezug auf den Wärmeverlust zu unterziehen.
Wenn möglich, sollte das Heizsystem daher durch Photovoltaik-Anlagen ergänzt werden, die der Aufbereitung des Warmwassers dienen.

Wenn möglich, sollte das Heizsystem daher durch Photovoltaik-Anlagen ergänzt werden, die der Aufbereitung des Warmwassers dienen.(#04)

  • Zweck der Nutzung
    Wird das Gas lediglich zum Heizen benutzt, wird davon natürlich deutlich weniger verbraucht, als wenn damit auch Warmwasser erhitzt werden soll. Der Gasverbrauch steigt auch dann, wenn in der Küche Gaskochfelder benutzt werden. Natürlich macht den größten Anteil am Verbrauch die Heizung selbst aus, doch die übrigen Posten schlagen mit rund 15 Prozent zu Buche. Wenn möglich, sollte das Heizsystem daher durch Photovoltaik-Anlagen ergänzt werden, die der Aufbereitung des Warmwassers dienen.Gerade im Sommer stellt eine solche Anlage eine Möglichkeit dar, völlig auf die Zusatzheizung über Gas zu verzichten. Eventuell lässt sich das System durch ein Heizsystem ergänzen, welches mit Strom arbeitet. Strom ist zwar eine sehr teure Variante, käme hier aber nur als minimale Ergänzung zum Einsatz, was insgesamt günstiger wird, als wenn der komplette Heizbedarf nur mit Gas gedeckt wird.
  • Personenzahl im Haushalt
    Wie bereits erwähnt wurde, spielt die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen eine Rolle. Ein durchschnittlicher Gasverbrauch ist im Haushalt mit mehreren Personen von Hause aus höher als in Haushalten mit nur einer oder zwei Personen. Hier werden mehrere Räume parallel genutzt und beheizt, außerdem wird deutlich mehr Warmwasser benötigt und entsprechend aufgeheizt.
  • Individuelles Verhalten der Nutzer
    Das persönliche Nutzungsverhalten der Hausbewohner spielt für den Verbrauch eine nicht unerhebliche Rolle. Wer viel Wärme benötigt, stellt die Heizung natürlich höher und mag nicht nur bei 20 °C Raumtemperatur wohnen. Andererseits gibt es Menschen, die schon bei 21 °C ins Schwitzen kommen und es deutlich kühler im Haus oder in der Wohnung lieben.Des Weiteren spielt eine Rolle, ob jemand auswärts arbeitet und erst abends nach Hause kommt oder ob jemand im Home Office den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt. Muss das Haus den ganzen Tag über warmgehalten werden, wird mehr Gas verbraucht, als wenn es nur zu bestimmten Zeiten warm sein soll. Allerdings lässt sich die Nutzungsdauer bzw. Heizdauer nicht eins zu eins umrechnen, denn eine ausgekühlte Wohnung verbraucht mehr Energie, um auf die gewünschte Raumtemperatur beheizt zu werden. Ein ganztätiges leichtes Heizen kann daher gewinnbringend in puncto Heizkostensenkung sein.

Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: _kurhan -#01: Dan Race  -#02: JGA -#03: ESB Professional-#04:  Robert Kneschke

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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