Aspartam: Wie gefährlich ist der Süßstoff?

In vielen zuckerfreien Produkten wie Kaugummi und Joghurt steckt Aspartam, ein Süßstoff, der von vielen Kritikern negativ beurteilt wird. Andere Experten haben ein Entwarnungssignal gegeben. Wie gefährlich sind die Nebenwirkungen dieses chemischen Stoffes tatsächlich?

Aspartam: Von den Expertenmeinungen bis zu den Verschwörungstheorien

Als kalorienarmer Süßstoff hat Aspartam seine Anhänger gefunden, aber auch die Zweifler auf den Plan gerufen. Für die gesundheitsbedrohlichen Nebenwirkungen sollen krebserregende Stoffe verantwortlich sein, die angeblich in Aspartam enthalten sind. Je größer die Marken sind, die auf diesen modernen Süßstoff setzen, desto lauter werden die Gegenstimmen. Manche meinen sogar, dass es sich um eine Verschwörung der Wirtschaftskonzerne handelt.

Cola und Limonaden in Light-Variante, Diät-Joghurts und zuckerfreie Bonbons sollen tatsächlich die Gesundheit bedrohen? Für sehr viele Verbraucher scheint diese Idee glaubwürdig zu sein. Sie glauben den Kritikern und halten Aspartam für ein gefährliches Gift. Teilweise kommt sogar die Befürchtung auf, dass die Konzerne ihre Kunden krank machen wollen.

Was ist tatsächlich an solchen Verschwörungstheorien dran? Wer sich das Konsumverhalten der Menschen ansieht, der stellt fest, wie schnell diese den Versprechungen der Lebensmittelindustrie Glauben schenken. Die Verbraucher möchten wenig Zucker zu sich nehmen und durch Light-Getränke den Kalorienverbrauch reduzieren. Bei genauer Überlegung kann man sich jedoch denken, dass Cola und süße Limonaden der Gesundheit schaden. Das hängt jedoch nicht unbedingt damit zusammen, dass diese Produkte Aspartam beinhalten.

Aspartam versteckt sich in vielen Lebensmitteln als E951. Unter Anderem in Light Limonaden, aber auch in manchen Joghurts und Süßigkeiten um nur ein paar Beispiele zu nennen. (#1)

Aspartam versteckt sich in vielen Lebensmitteln als E951. Unter Anderem in Light Limonaden, aber auch in manchen Joghurts und Süßigkeiten um nur ein paar Beispiele zu nennen. (#1)

Aspartam ist außerdem unter den Bezeichnungen Nutrasweet, E951 und Canderel bekannt. Die Verschwörungstheoretiker nennen es auch Killergift oder sogar Krebsauslöser.

Aspartam und seine Historie – von den 1960ern bis heute

Zur Entdeckung von Aspartam kam es im Jahr 1965 durch einen Zufall. James L. Schlatter, ein Chemiker, entdeckte bei seiner Forschung nach einem Medikament gegen Geschwüre diesen Süßstoff. Die Substanz aus Eiweißbausteinen entstand durch einen chemischen Prozess. Aspartam hat im Vergleich zu Zucker bei gleicher Kalorienmenge eine rund 200-mal stärkere Süßkraft. Deshalb reicht ein deutlich reduzierter Anteil des Süßstoffes aus, damit die entsprechenden Lebensmittel süß schmecken.

Von der Mitte der 1960er Jahre bis in die frühen 1980er Jahre fanden viele Analysen statt, um die Verträglichkeit des Stoffes zu testen. Erst 1983 durfte Aspartam für kohlensäurehaltige Getränke verwendet werden. In den 1990er Jahren folgte die Zulassung auch für weitere Getränke sowie für Süßwaren und Backwerk. In den USA darf Aspartam seit 1996 uneingeschränkt verwendet werden.

Die Zulassung in Deutschland besteht seit 1990, doch seit dieser Zeit tauchen immer neue Studienergebnisse auf, in denen das Aspartam als Giftstoff bezeichnet wird. Die Nebenwirkungen sollen die Gesundheit beeinträchtigen und sogar Krebs auslösen.

Zuckerfrei, schön und gut! Aber in fast allen zuckerfreien Produkten befinden sich Zuckerersatz und Zuckeraustauschstoffe wie z.b. Aspartam und ist das wirklich gesünder? (#2)

Zuckerfrei, schön und gut! Aber in fast allen zuckerfreien Produkten befinden sich Zuckerersatz und Zuckeraustauschstoffe wie z.b. Aspartam und ist das wirklich gesünder? (#2)

Aspartam: Interessante Beobachtungen bei der Meinungsbildung

Beim Thema Süßstoff gibt es viele Fürsprecher aber auch Kritiker. Diese Uneinigkeit hängt damit zusammen, dass noch keine umfassenden und ganzheitlichen Forschungsergebnisse vorliegen. Der Grund dafür liegt in den unterschiedlichen Zusammensetzungen und in der Schwierigkeit, eine pauschale Antwort auf die folgenden Fragen zu geben.

  • Schadet ein Süßstoff wie Aspartam der körperlichen Gesundheit?
  • Wie giftig sind die Inhaltsstoffe wirklich?
  • Was tun die Lebensmittelhersteller, um die Verbraucher aufzuklären?

Die Menschen wünschen sich mehr Transparenz und wissenschaftlich fundierte, ehrliche Analysen, um sich an diesen Erkenntnissen orientieren zu können. Wie man in diesem Blog erfährt, gibt es einige wichtige Studienergebnisse sowie relevante Hintergrundinformationen zu Aspartam. Diese sollen dabei helfen, sich selbst einen Eindruck von den offensichtlichen Fakten zu machen und nicht nur auf die Panikmache zu hören.

Aspartam: Wissenschaftliche Tests und ihre Ergebnisse

Um Nebenwirkungen von Produkten wie Aspartam zu entdecken, arbeiten die Wissenschaftler häufig mit Mäusen oder Ratten. In einer Studie von 2005 erhielten Ratten eine kleine Dosis des Süßstoffes und wurden genau beobachtet, bis sie eines natürlichen Todes starben. Offensichtlich erkrankten mehr Ratten als sonst an Leukämie und Lymphdrüsenkrebs. Bei anderen Tests konnte ein solcher Zusammenhang jedoch nicht beobachtet werden.

In weiteren Forschungsstudien, die beispielsweise von der European Food Safety Authority durchgeführt wurden, fand man ebenfalls keine Anzeichen für eine verstärkte gesundheitliche Gefährdung durch Aspartam. Darum sprach sich auch der Wissenschaftliche Ausschuss für Lebensmittel für die Unbedenklichkeit des Süßstoffes aus.

Die Wissenschaft hat sich stark mit Aspartam und dessen Auswirkungen beschäftigt. Die Beobachtungsstudien zeigen, dass es keinen kausalen Zusammenhänge zwischen Aspartam und Krebserkrankungen gibt. (#3)

Die Wissenschaft hat sich stark mit Aspartam und dessen Auswirkungen beschäftigt. Die Beobachtungsstudien zeigen, dass es keinen kausalen Zusammenhänge zwischen Aspartam und Krebserkrankungen gibt. (#3)

Lediglich für Menschen mit der Stoffwechselstörung PKU gibt es eine eingeschränkte Empfehlung für Aspartam. Hier geht es vor allem darum, dass sie möglichst auf eiweißreiche Kost verzichten sollen. Der Süßstoff selbst wirkt sich natürlich auf den Blutzuckerspiegel aus und sorgt für ein verändertes Hungergefühl. Das gilt aber auch für zuckerhaltige Nahrung. Aspartam löst sich in Methanol auf, doch wer sich daran stört, der müsste auch seinen Alkoholgenuss reduzieren.

Beim genauen Durchlesen der verschiedenen Testergebnisse gibt es also keine eindeutigen Argumente gegen die Einnahme von Aspartam. Wie bei allen anderen Zusatzstoffen gilt natürlich: Ein Zuviel kann auf die Dauer schädliche Auswirkungen haben. Die Beobachtungsstudien zeigen jedoch auf, dass keine kausalen Zusammenhänge zwischen Aspartam und Krebserkrankungen existieren.

Die Bestandteile von Aspartam

Generell handelt es sich um drei Komponenten, die bei Aspartam bemängelt werden: Asparaginsäure, Methanol und Phenylalanin. Diese werden im Darm freigesetzt. Diese drei Bestandteile kommen jedoch nicht nur in Aspartam vor, sondern auch in zahlreichen anderen Nahrungsmitteln, wo sie höher dosiert sind. Zum Beispiel ist in einem Glas Milch deutlich mehr Asparaginsäure und Phenylalanin als in einem Glas Light-Cola. Methanol ist unter anderem in Obst und Gemüsesäften vorhanden.

Erst in einer sehr hohen Dosis können die einzelnen Bestandteile zu Nebenwirkungen im menschlichen Körper führen. Als Richtwert gilt eine maximale Tagesdosis von 40 mg pro kg Körpergewicht. Das heißt, dass sogar ein Kind mit 40 kg bis zu drei Liter Light-Cola trinken dürfte.

Aspartam mit Zurückhaltung dosieren

Die Ernährungsexperten haben zwar grundsätzlich Entwarnung gegeben, trotzdem sollte man es nicht übertreiben. Vor allem bei einer Stoffwechselerkrankung wie PKU muss man vorsichtig sein, denn in diesem Fall ist das Aspartam tatsächlich ein Gift. Wer davon betroffen ist, darf auch keine Eier essen und keine Milch trinken.

In jedem Fall sollte Aspartam sparsam zugeführt werden, gerade Kinder brauchen hier Hilfe von Erwachsenen, den Konsum von Aspartam in Lebensmitteln zu überblicken und einzuschränken. (#3)

In jedem Fall sollte Aspartam sparsam zugeführt werden, gerade Kinder brauchen hier Hilfe von Erwachsenen, den Konsum von Aspartam in Lebensmitteln zu überblicken und einzuschränken. (#4)

Als gesunder Mensch ist es ebenfalls sinnvoll, den Konsum von Aspartam einzuschränken. Immerhin handelt es sich um ein Chemie-Produkt, das die gesunde und natürliche Ernährung lediglich ergänzen sollte. Außerdem haben viele Ernährungsforscher herausgefunden, dass der Einsatz von Süßstoff die Kalorienzufuhr oft kaum beeinflusst. Das hängt damit zusammen, dass künstlich hergestellter Süßstoff wie Aspartam ein Hungergefühl auslöst. Der Organismus hält den Süßstoff für Zucker, woraufhin der Glukosespiegel absinkt und bald darauf der Heißhunger ausgelöst wird.

Ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe von Getränken und Nahrungsmitteln zeigt, ob und wie viel Süßstoff enthalten ist. Anstelle der Bezeichnung Aspartam kann auch die EU-Nummer E951 vermerkt sein.

Aspartam: Woher die Verschwörungstheorien kommen

Meistens sind es Fehlinformationen und fast schon hysterische Medienberichte, die die Verbraucher verunsichern. Genau in dieser Unsicherheit finden die wilden Theorien ihre Nahrung. Wer genug Fantasie hat, der kann sich vorstellen, dass die weltweit großen Firmen ihre Kunden abhängig machen wollen oder dass sie noch mehr Macht gewinnen wollen. Wenn der Appetit der Verbraucher erst geweckt ist, dann fällt es immer schwerer, auf andere Nahrung umzusteigen und sich die Diätmittel wieder abzugewöhnen. Und wenn man auf einmal feststellt, dass es womöglich Verbindungen zwischen den Industriekonzernen, den „Superreichen“ und den Regierungen gibt, scheint die Verschwörungstheorie doch zu stimmen – oder?

Nachweise für solche Zusammenhänge gibt es jedoch nicht, auch wenn einige Aktivisten offensichtlich anderer Meinung sind. Vielleicht ist es eher ihre Tendenz, sich gegen das Establishment und die Übermacht der Großunternehmen zu richten, die sie auf die Idee mit einer weltweiten Verschwörung bringt.

Richtige Freude in Bezug auf Aspartam verspüren die Verschwörungstheoretiker: Denn wer ist beispielsweise für den schlechten Ruf von Aspartam verantwortlich? (#4)

Richtige Freude in Bezug auf Aspartam verspüren die Verschwörungstheoretiker: Denn wer ist beispielsweise für den schlechten Ruf von Aspartam verantwortlich? (#5)

Die Alltagsgifte von heute machen das Leben nicht leichter

Aspartam ist, wie bereits erklärt, ein chemischer Stoff. Ebenso wie andere Zusatzstoffe in der Nahrung und in den Gebrauchsgütern kann er gewisse Prozesse auslösen. Das gilt übrigens auch für natürliche, unbehandelte Lebensmittel. Überall lauern die Alltagsgifte, und zwar nicht nur in den Getränken und im Essen, sondern auch in den Städten. Selbst bei der Zubereitung können Stoffe entstehen, die als Krebsauslöser gelten. Aber manche Leute mögen es, wenn die Bratwurst etwas schwarz ist oder wenn die Sahnetorte noch mit ein paar künstlichen Kirschen verziert wird.

Wer sich bewusst macht, dass es im Grunde genommen kaum möglich ist, sich vor allen schädlichen Stoffen zu schützen, der lebt meistens etwas entspannter. Gesunde Nahrung ist trotzdem sinnvoll, doch man sollte es nicht zu sehr übertreiben und nicht auf alles, was schmeckt, verzichten. Es darf also auch einmal etwas Süßes sein. Letztendlich muss jeder selbst wissen, ob es die Limonade mit Zucker sein soll oder der Diät-Drink mit Aspartam: Beides ist nicht wirklich gesund, schmeckt aber gut.

Der ideale Weg kommt nicht an den alltäglichen Giftstoffen vorbei. Die Menge entscheidet letztendlich, wie gefährlich ein bestimmtes Gift ist. Nicht zu viel Süßstoff und auch nicht zu viel Zucker, nicht zu viel Alkohol, nicht zu viel Fett – solche Regeln helfen einem dabei, sich bewusst zu ernähren.


Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: Monika Wisniewska, -#1 successo images, -#2 xamnesiacx, -#3 KANOWA, -#4 Marcos Mesa Sam Wordley_32881843, -#5 igorstevanovic

 

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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