Sprachassistent für daheim: Möglichkeiten und Grenzen

Die Werbung ist voll von Alexa und Co. Doch was können Sprachassistenten für zu Hause und wo liegen Ihre Fehler? Was können die kleinen Helfer nicht bewerkstelligen?

Mit Echo und Alexa zum Smart Home

Neben Apples Siri spielen Alexa und Echo die Hauptrolle in vielen Haushalten. Dank der verschiedenen Sprachassistenten ist es möglich, das Zuhause zum Smart Home werden zu lassen und Neuigkeiten direkt über den Lautsprecher in jedem Raum zu empfangen. Die Musik einschalten? Den komatösen Nachwuchs nach der letzten Party wecken? Angebote für den Sport suchen? Alles kein Problem, wie es scheint, denn Sprachassistenten lassen den Alltag zum Kinderspiel werden und Informationen jederzeit zugänglich werden.

Allerdings zeigen die fünf beliebtesten Sprachassistenten in der Werbung nur ihre tollen Seiten. Wenn alles so gut funktionieren würde, wäre jedes Haus wohl standardmäßig mit Siri und Co. ausgestattet. Doch in der Realität sind die Assistenten oft weniger hilfreich, kommen rasch an ihre Grenzen. Zu bemerken ist jedoch, dass sie durchaus lernfähig sind und dank der Entwickler immer wieder neue Antworten parat haben.

Video: extra 3 Familie: Leben mit Sprachassistenten | extra 3 | NDR

Konkurrenz der Sprachassistenten

Derzeit gibt es fünf große Sprachassistenten, von denen sich aber nur Amazons Alexa bislang auf dem deutschen Markt durchsetzen konnte. Daneben sind noch

Derzeit gibt es fünf große Sprachassistenten, von denen sich aber nur Amazons Alexa bislang auf dem deutschen Markt durchsetzen konnte. Siri (Apple) (#01)

Derzeit gibt es fünf große Sprachassistenten, von denen sich aber nur Amazons Alexa bislang auf dem deutschen Markt durchsetzen konnte. Siri (Apple) (#01)

  • Siri (Apple)
  • Cortana (Microsoft)
  • Assistant (Google)
  • Bixby (Samsung)

erhätlich, die derzeit aber noch eine untergeordnete Rolle spielen. Die Siri-Box namens HomePod wird erst in 2018 überhaupt auf unseren Markt gelangen, Cortana soll ebenfalls erst demnächst erscheinen und wird die Lautsprecher von HP und Harman Kardon vernetzen. Auch Google arbeitete an der Vernetzung und veröffentlichte die Home-Lautsprecher im Sommer 2017.

Die Funktionen der Systeme sind immer ähnlich, wirklich konkrete Unterschiede sucht man hier vergebens. In den Lautsprechern sind Mikrofone und Computer verbaut, einige Modelle warten sogar mit einem eigenen Bildschirm auf. Amazon ist hier besonders hervorzuheben, gibt es von diesem Anbieter in den USA sogar eine Kamera dabei, die dabei hilft, das passende Outfit zu finden. Dann heißt es nicht mehr: „Schatz, soll ich das blaue oder das rote Kleid anziehen?“, sondern „Schatz, Siri hat gesagt, ich soll besser das grüne Kleid nehmen. Hat Siri recht?“ Ob das am Ende hilfreich ist, sei einmal dahingestellt.

Sprachassistenten: Die Technik dahinter

Den Sprachassistenten ist gemein, dass sie auf ein Aktivierungskennwort warten. Das heißt, das System arbeitet solange nicht, bis es das jeweilige Kennwort gesagt bekommt. Dann geht es an und antwortet – hoffentlich – hilfreich. Allerdings treten hier bereits die ersten Fehler auf, denn ein ähnlich klingendes Wort kann bereits das System anschalten und zu Aktionen führen, die dann eben nicht so gewünscht waren.

Viele Funktionen sind bei den Sprachassistenten bereits ab Werk möglich. So spielen sie zum Beispiel Musik ab, die von Streamingdienstleistern stammt, auch das Internetradio lässt sich über den Assistenten problemlos einschalten. Sie möchten wissen, ob es heute regnet oder schneit? Sie suchen eine neue Kamera? Sie möchten Erinnerungen ablegen oder benötigen eine Stoppuhr? Diese und ähnlich einfache Funktionen zählen zum Standard und lassen das Zuhause intelligenter werden. Dabei sind solche Dinge durchaus hilfreich, ersparen sie uns doch die oft länger dauernden übrigen Suchvorgänge und Dateneingaben.

Offen für andere Hersteller

Die eben beschriebenen Funktionen mögen nützlich sein, wirklich intelligent sind sie aber noch nicht. Weitaus spannender ist es da, andere

Den Sprachassistenten ist gemein, dass sie auf ein Aktivierungskennwort warten. Das heißt, das System arbeitet solange nicht, bis es das jeweilige Kennwort gesagt bekommt. (#02)

Den Sprachassistenten ist gemein, dass sie auf ein Aktivierungskennwort warten. Das heißt, das System arbeitet solange nicht, bis es das jeweilige Kennwort gesagt bekommt. (#02)

Geräte über Echo und Siri zu steuern, was möglich wird, weil die Hersteller ihre Geräte dafür öffnen. Das bedeutet, dass sich Sprachassistenten und Systeme anderer Geräte miteinander verbinden.

Stellen Sie darüber die Heizung an, schalten Sie die Beleuchtung aus, programmieren Sie den Fernseher zur Aufnahme der Lieblingssendung – all das ist über den Sprachassistenten möglich. Das Haus wird sogar sicherer: Sie haben vergessen, die Alarmanlage anzuschalten, möchten aber nicht wieder umkehren? Kein Problem, Assistant macht das schon!

Drittanbieter können zudem weitere Skills entwickeln, mit denen sich der Assistent um eine Reihe weiterer Kommandos erweitern lässt. Sogar die Verbindungen im ÖPNV lassen sich damit verfolgen, ebenso die Ergebnisse im Sport oder die Suche nach einem bestimmten Foto im Dateiordner.

Nutzen ohne Vernetzung: Assistent als nettes Gimmick

Moderne Sprachassistenten mögen hilfreich sein – sind es aber ohne die Vernetzung mit weiteren Geräten nicht wirklich. Dann stellen sie eher eine Art nette Spielerei dar, ihr Funktionsumfang bleibt im unteren Bereich angesiedelt. Die Box allein kann kein Smart Home ersetzen oder darstellen, denn sie ist nur eine Möglichkeit zur Steuerung. Verstehen sich Lampe, Motor der Rollläden und Heizungsthermostat nicht mit dem Assistenten, können beide logischerweise nicht miteinander kommunizieren und weder Licht noch Heizung funktionieren. Sie bleiben per Hand einstellbar, was die Investition in den Sprachassistenten nicht zu rechtfertigen vermag.

Es gibt sogar die Meinung, dass Echo und Co. nur bessere Küchenradios darstellen würden, wenn sie sich nicht mit anderen Geräten verbinden könnten. Kein Mensch braucht diese vergleichbar teure Technik, wenn kein Smart Home eingerichtet wird. Dieses wiederum lohnt sich vor allem in größeren Gebäuden und für Menschen, die kleinste Handgriffe nicht selbst erledigen möchten. Ansonsten sind Assistenten zwar nett, aber zumindest bezogen auf normale Dinge nicht zwingend nötig, um den Alltag zu bestreiten.

Die Grenzen der Intelligenz: Korrekte Ansagen, bitte!

Auch wenn immer von künstlicher Intelligenz die Rede ist: Wirklich intelligent sind Alexa und Co. nicht. Denn sie brauche in jedem Fall

Moderne Sprachassistenten mögen hilfreich sein – sind es aber ohne die Vernetzung mit weiteren Geräten nicht wirklich (#03)

Moderne Sprachassistenten mögen hilfreich sein – sind es aber ohne die Vernetzung mit weiteren Geräten nicht wirklich (#03)

ganz konkrete Ansagen, damit sie überhaupt funktionieren. Sie wollen ihren festen Sprachbefehl bekommen, auf den sie reagieren können. Sagen Sie zum Beispiel „Alexa, ich friere!“, so hat das keinerlei Auswirkungen. Sie müssen genau sagen, dass die Heizung angestellt oder höher gestellt werden soll.

Diese Grenzen zeigen sich auch in Bezug auf Aussagen wie „Ich bin deprimiert.“ oder „Ich bin krank.“ Mit Ersterem konnten die Assistenten im Test gar nichts anfangen, die zweite Aussage führte zu dem netten Wunsch „Gute Besserung!“ Hier gibt es keine medizinischen Tipps und nicht immer haben die Assistenten die passenden Ratschläge parat. Echte Intelligenz bleibt hier also nicht zu erwarten.

Allerdings wurden derartige Dinge in Tests häufiger bemängelt und so führten die Beschwerden dazu, dass sich die Entwickler mit einer Verbesserung der Systeme befassten. Viele Assistenten können nun sagen, wo sich in der Nähe ein Krankenhaus befindet. Eine echte Hilfe bei Erkrankungen oder Depressionen gibt es dennoch nicht. Verständlich, immerhin handelt es sich um einen Computer und keine medizinische Fachkraft, auch wenn sich viele Anwender medizinische Ratschläge auf Zuruf wünschen.

Video: Alexa stört den Familienfrieden

Einmal Datensammeln gewünscht?

Immer wieder werden die Rufe nach einem verbesserten Datenschutz laut. Jeder möchte, dass seine Daten im Internet geschützt sind und kein Unbefugter Zugriff darauf hat. Allerdings gehen die Anwender der Sprachassistenten nicht gerade sorgfältig mit ihren Daten um. Denn die gespeicherten Informationen werden mit anderen Diensten zusammengeführt und ergeben so ein umfassendes Profil dieses Nutzers.

Auch wenn immer von künstlicher Intelligenz die Rede ist: Wirklich intelligent sind Alexa und Co. nicht. (#04)

Auch wenn immer von künstlicher Intelligenz die Rede ist: Wirklich intelligent sind Alexa und Co. nicht. (#04)

Hier fehlt eigentlich nur noch ein Foto und ein kompletter Lebenslauf bzw. ein vollständiges Profil der Person ist erstellt. Marketing und Marktforschung freut das natürlich, denn sie können nun ihre Werbung zielgruppen- und sogar personengerichtet erstellen.

Nutzer können nur darauf hoffen, dass ihre Daten sicher sind, was wohl eher einem Wunschtraum als der Realität entspricht. Wann ließen sich die Menschen schon einmal so bereitwillig aushorchen und durchleuchten? Die Hersteller sollen ihre Geräte vor einem Zugriff von außen absichern, ob sie das allerdings im nötigen Umfang wirklich durchführen, bleibt offen.

Damit gibt es keine Garantie dafür, dass die Geräte nicht zum Abhören genutzt werden. Auch wenn die meisten Daten nicht wirklich sensibel sind und keinen Menschen interessiert, ob jemand die neue Duschlotion auf den Einkaufszettel setzt oder nicht – die Hersteller und Marktforscher sind darüber mehr als erfreut, können sie bestimmte Produkte doch Personengruppen zuordnen und sparen nebenbei noch jede Menge Geld für umfassende Marktanalysen.

Schon bald werden einfach nur noch Daten ausgewertet werden müssen diese liefern dann die gewünschten Informationen in Echtzeit. Der gläserne Mensch wird dank moderner Sprachassistenten real, ob er das möchte oder nicht. Zustimmung benötigt? Der Kauf der Assistenten genügt und die Selbstbestimmung zu den Daten wird an der Kasse abgegeben.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Matthew Corley  -#01: pianodiaphragm -#02: dennizn -#03: Zapp2Photo  -#04:  Pere Rubi

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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